Olympia 2018
Nachdem Geoff und ich gestern schon darüber diskutiert haben, hätte ich da doch nochmal eine Nachfrage:
Die Grünen im Stadtrat sind für München + 4, richtig? Die GJM sind ganz dagegen, richtig?
Erste Meinung kann ich völlig verstehen und halte ich auch für richtig: Warum neue Biathlonsachen bauen, wenn ich zB in Ruhpolding eine tolle Arena und das nötige Knowhow für so eine Veranstaltung habe.
Was ich nicht verstehe ist, wie man in irgendeiner weise einen realpolitischen Anspruch haben kann und dann ganz gegen die Bewerbung von München ist: Wer gegen die Bewerbung von München ist, fördert damit Bewerbungen wie wir sie in Sotschi gerade erleben. Retortenstädte werden aus dem Boden gestampft, die unberührte Natur wird völlig zerstört, auf klimaschonende Maßnahmen wird kein Wert gelegt und das ganze kostet dann auch noch 10x soviel.
München wäre die erste Stadt, welche auf dem Gelände der Sommerolympiade auch Winterspiele macht. Wenn man die Bedenken zwecks Schneesicherheit mal weglässt, wären das mit Sicherheit die umweltschonendsten Olympischen Spiele aller Zeiten. Ich verstehe also nicht, wie man mit einem minimal real- oder weltpoltischem Anspruch gegen solche Spiele sein kann, denn dadurch ist man für umso größere Umweltvernichtung.
Domi
Modified

Alex says:
Added on April 7th, 2009 at 15:43Pro Olympia! Abgesehen davon, dass die Ressourcen da wären, würde es mal wieder richtig viel Kohle nach München scheffeln, was der Stadt sicher auch nicht schlecht tut.
Geoff (blog author) says:
Added on April 7th, 2009 at 23:55Aaaaaalso *lufthol*
So wie es oben steht ist es nicht ganz richtig; die Stadtratsfraktion war bisher immer für das Konzept München 2 und die GJM war komplett dagegen. Der Kompromißvorschlag wie er jetzt angenommen wurde ist erst ein paar Wochen alt.
Die Stadtratsfraktion tut jetzt aber plötzlich so, als ob sie natürlich mit diesem Vorschlag schon die ganze Zeit geliebäugelt hätte, obwohl sie vorher dagegen angeredet haben, wie der Teufel gegen das Weihwasser. Sind halt auch Berufspolitiker, da ist eine gewisse Meinungsakrobatik unerlässlich.
Sie haben stets versucht, das Gespenst der an dieser Frage gescheiterten Koalition an die Wand zu malen. Der Koalitionsvertrag ist in dieser Frage allerdings (bewusst?) äußerst vage und hätte sicherlich nicht zu einem Bruch der Koalition geführt.
Die Ressourcen sind mitnichten da. Im Olympiastadion sollen genau zwei Veranstaltungen stattfinden, Eröffnungs- und Schlussfeier. Zugegebenermaßen werden auch die anderen Hallen mitgenutzt, aber das große ökologische Problem ist auch nicht direkt in München, sondern dort wo alpine und nordische Wettbewerbe ausgetragen werden sollen.
Wie es läuft hat man bereits in Garmisch gesehen. Dort hatte der Bund Naturschutz versucht, wenigstens halbwegs umweltverträgliche Strecken für die Ski-WM 2011 zu finden, die dann im letzten Moment unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt wurden. Es wurde dann doch der erste Entwurf gebaut, der einfach den kompletten Hang entrodete. Inzwischen ist der Hang äußerst abrutschgefährdet und muss künstlich gestütz werden, damit nicht alles bei Regen runterrasselt.
(Die Alpenschutzkonvention, an sich ein völkerrechtlich bindender Vertrag, wurde auch großzügig gebrochen.)
Ich gebe ja zu, dass München wahrscheinlich nicht der schlechteste Kandidat für 2018 wäre, aber da die anderen Kandidaten noch nicht bekannt sind, kann man auch nicht sagen, dass es der beste ist. Eventuell bewirbt sich auch ein Ort in Norwegen, da wäre zumindest die Schneesicherheit gegeben.
Genau diese kann man eben nicht so leicht beiseite lassen. Das IOC wird die Winterspiele garantiert nicht an München vergeben, ohne dass gesichert wäre, dass sie auch stattfinden.
Will heißen: Mit keinem oder minimalem Schnee kann dann künstlich genug Schnee erzeugt werden um die Wettbewerbe trotzdem stattfinden zu lassen. Die Schneekanonen brauchen aber enorme Mengen Wasser, dass heisst es müssen eigens zu diesem Zweck im hochalpinen Bereich – wegen dem natürlichen Druck über den eigentlichen Pisten – riesige Stauseen angelegt werden.
Da ist es dann auch schnurzpiepegal, dass München schon ein Olympiastadion hat.
Natürlich wollen wir nicht das Problem nur verlagern, um es dann in Sotschi (oder sonstwo) stattfinden zu lassen. Nur weil es in anderen Bereichen der Welt eventuell noch schlimmer wäre, bedeutet es aber nicht, dass wir die Bewerbung von München gutheißen müssten.
Nur mit dem Argument, dass es anders schlimmer wäre, könnte man jedoch auch ein AKW auf dem Marienplatz oder alles andere legitimieren. (Bei der Stadtversammlung kam sogar ein Beispiel mit Folter, dass selbst mir zu weit ging.)
Persönlich wäre es mir ja am liebsten, es gäbe 3 feste Austragungsorte für die Winterspiele (Nordamerika, Europa, Asien) und dieser ganze Wanderzirkus wäre endlich vorbei.
Sofern es in der Macht der GJM steht, werden wir sicherlich auch versuchen, die anderen Bewerbungen zu verhindern, wenn sie nicht ökologisch vertretbar sind, aber da sind uns wahrscheinlich leider die Hände gebunden.
Alles was wir tun können, ist ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass wir nicht in ehrwürdiger Starre vor einer undemokratischen Einrichtung wie dem IOC erstarren.
Olympische Winterspiele sind auch keineswegs ein guter Geldbringer, Turin hat Verluste eingefahren und Nagano sitzt inzwischen auf einem Schuldenberg von mehreren Milliarden Euro.
Es gelingt der Bewerbungsgesellschaft schon jetzt nicht, die mickrigen 30Millionen durch Sponsoren aufzutreiben, die sie für den Betrieb braucht.
Bisher haben lediglich die Messe und der Flughafen ihre Zusagen auch eingehalten, beides Unternehmen unter Kontrolle des Staats/der Stadt.
Mit jedem Oktoberfest fährt München mehr Umsatz und Gewinn ein, als es irgendwelche olympischen Spiele je könnten.
Domi (blog author) says:
Added on April 8th, 2009 at 09:51Schöne Argumentation. Wenn ich sie richtig verstanden habe, geht es also um die Schneesicherheit in den alpinen Regionen, welche natürlich nötig ist um Winterspiele zu veranstalten. Keine Frage. Deiner Meinung nach, wäre dies nicht möglich, ohne weitere extreme Maßnahmen in Sachen Schneekanonen voranzutreiben. Mit allem Primporium, welches ohne Frage nicht der Natur dient.
Dann stelle ich mal die provoziernde Frage, was für Wintersportverantstaltungen ich eigentlich in den letzten Jahrzehnten in Bayern gesehen habe? Irgendwie erinnere ich mich an tollen Schnee, größtenteils Schneesicherheit auch bei Sportarten die nicht direkt in den Bergen stattfanden (Ruhpolding) und so weiter. Natürlich werden auch in Garmisch Schneekanonen eingesetzt, aber zum Beispiel weit weniger als in Österreich (Wo auch Gletscher beschneit werden).
Das Schneesicherheitsargument ist für mich ein an die Wand gemalter Teufel. Das hören wir doch jedesmal, wenn es irgendwo darum geht Wintersport zu verhindern, weil wir damit die Natur kaputt machen. In manchen Jahren bekommt das Argument mehr Feedback (warmer Winter), in manchen weit weniger (kalter Winter). Vor allem dieses Jahr mit über 100 Schneetagen in den Alpen (auch in Garmisch übrigens) finde ich dieses Argument einfach völlig übertrieben.
Mit Geld argumentiere ich nicht, denn ich stimme Geoff völlig zu: Infrastruktur würde sich verbessern (obwohl die in München eh gut ist), aber Geld würden wir damit in keinsterweise erwirtschaften. Sicher nicht. Ich finde auch selbst logische Gründe gegen die Winterolympiade in München, keine Frage. Aber zumindest bei mir geht es nicht um Logik. Bei mir geht es um Gefühl: Olympische Spiele in deiner eigenen Stadt zu erleben (und seien es nur die Eröffnungfeier und einige Sachen in den Hallen) die ganzen Wettbewerbe vor der Tür zu haben, fände ich eine einmalige Erfahrung. Wir alle stimmen wohl überein wie phantastisch die Stimmung während der WM war. Dieses Gefühl werden wir so schnell nicht wieder bekommen. Eine WM in Deutschland wird vermutlich keiner mehr von uns erleben. Olympische Spiele in München haben im Moment eine realistische Chance, vielleicht nicht 2018, aber vielleicht 2022.
Das die Ressourcen allgemein mit nichten da sind, muss ich auch widersprechen: Ich stimme einer München Lösung sofort zu. Sollte es München 2 werden, muss trotzdem nicht das ganze Land umgebaut werden. Ich meine nicht von ungefähr richtet Garmisch 2011 die SkiWM aus und hat auch eine neue Sprungschanze. Ergo müsste man in Garmisch ein neues Stadion für Langlauf und Biathlon bauen und in München eine neue Eissporthalle. Alles andere wäre schon vorhanden.
Achja und die 30 Millionen durch Sponsoren finde ich etwas “unfair”: Vor der “Krise” wurden da bereits Zusagen für über 40 Millionen gemacht, welche nun zurückgezogen wurden…
Soviel erstmal von mir.
Geoff (blog author) says:
Added on April 8th, 2009 at 10:26Das nennt man dann wohl selektive Wahrnemung, ich erinnere mich hauptsächlich an Biathlon-Rennen, die auf einer Schneepiste von ein paar Metern Breite durch grau-braun-grüne Wälder geführt haben.
Ich sage ja auch nicht, dass 2018 in Garmisch die Palmen wachsen werden, aber der Klimawandel kommt (oder ist schon da) und die Winter werden zunehmend unberechenbar, zumal in den Alpen.
Alleine die Möglichkeit, dass nicht genug Schnee da sein wird, reicht für das IOC doch bestimmt schon, eine Batallion von Schneekanonen zu fordern.
Wenn dieses raffgierige Unternehmen vor einem Angst hat, dann ist es eine Verschiebung/Ausfall der Spiele wegen schlechtem Wetter und der Verlust von Fantastilliarden an Werbeeinnahmen.
Ob die Schneekanonen dann 2018 wirklich gebraucht werden oder nicht, ist gar nicht mehr entscheidend, die Stauseen sind bis dahin längst angelegt und haben den Bergbächen längst alles Wasser entzogen.
Mit München 4 könnte ich mich zur Not noch anfreunden, aber München 2 kann ich einfach nicht unterstützen. Wir haben alles da, Biathlon und Langlauf und Schanze und was weiß der Henker noch, aber wir wollen nur ein Teil nutzen, weil es sonst den hohen Herren vom IOC nicht gefallen könnte.
Die wollen angeblich ein Olympia der kurzen Wege. Na toll, sollen sie doch wollen!
Warumm hat München nicht die Eier (um mal ein Zitat einzubauen) um zu sagen, wir machen eine sinnvolle Bewerbung bei der wir alle Ressourcen nutzen die schon da sind und erreichen so eine wenigstens halbwegs erträgliche Umweltbilanz.
Damit wäre mal ein Zeichen gesetzt, für eine mündige Stadt die mit einem eigenständigen Konzept aufwartet und nicht schon vor dem IOC katzbuckelt, bevor die Bewerbung überhaupt verfasst ist.
Versteht mich nicht falsch, ich würde durchaus auch gerne mal olympische Wettbewerbe live sehen, aber zumindest in der jetzigen München 2 Situation kann ich mir das nicht erlauben.
Das schlechte Gewissen, gegen solche Zerstörungen nicht vorgegangen zu sein und die Vorstellung mit meinen Kindern mal vor den Ruinen der Alpenlandschaft zu stehen, verhindern es einfach.
Das muss aber jeder für sich selbst ausmachen, es ist – wie Domi schon gesagt hat – auch und vor allem eine Gefühlsentscheidung, da können Argumente nur bedingt was ändern.
Natürlich ist es unfair, dass die Sponsoren die Gelder zusagen und dann wieder zurück ziehen, aber die Krise ist nun mal da und sollte noch uns Anlass sein, die ganze Sache (auch finanziell) noch mal zu überdenken.
Kleiner Klugscheiß-Comment am Ende: Die Olympiade sind die 4 Jahre zwischen dein Olympischen Spielen.
Domi (blog author) says:
Added on April 8th, 2009 at 12:55Klugscheißer
Dem Rest stimme ich zu!
Könnten wir bitte öfters unterschiedlicher Meinung sein? Das macht viel mehr Spaß
Geoff (blog author) says:
Added on April 9th, 2009 at 14:21Wenn du Auseinandersetzung willst, dann bitte:
Clueso ist Kacke!!!!!