New York, London und das Leben

Warum nur mache ich immer wieder den gleichen Fehler: Anstatt diesen Blog jede Woche zu aktualisieren, muss ich immer viele Sachen in einem Post zusammenfassen. Eigentlich hätte jeder Tag meiner letzten drei Wochen einen eigenen Eintrag verdient.

Fangen wir mit dem Höhepunkt des Jahres an: Corinna und ich im Big Apple. Nachdem meine Freundin eine Woche in New York mit NMUN verbracht hatte und die darauf folgende bei ihrer Großmutter in Texas, trafen wir uns direkt in der Welthauptstadt. Unser Hotel stellte sich schnell als eine bezahlbare Bruchbude heraus, aber wir hatten zumindest unser eigenes Bad.

Diese 7 Tage als Urlaub zu bezeichnen, wäre vermutlich etwas vermessen. Erlebnisreise trifft es da schon eher: Zwischen Museen und Theater haben wir auch noch das Leben einiger echter New Yorker kennen gelernt, aber erstmal der Reihe nach. Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, welches der großen Museen mir am besten gefallen hat. Die Architektur des Guggenheims ist atemberaubend und mit einer guten Ausstellung hätte ich mich hier sicher noch wohler gefühlt. Leider wurde es außen gerade renoviert und innen beherrscht die Ausstellung eines Chinesen (gesprochen: Ki-ne-see) statt. Cai Gai-Qiang experimentiert viel mit Gunpowder was interessante Gemälde schafft, welche aber alle sehr ähnlich aussehen. Dominiert wurde das Museum von einigen Mazdas, die mitten in der Haupthalle übereinander hangen und beleuchtet waren. Etwas zu dominant für unseren Geschmack. Einige sehr interessante Dinge waren aber durchaus zu sehen.

Das MoMA wird seinem Ruf als bestes Museum für moderne Kunst mit Sicherheit gerecht. So viele Picasso wie es dort gibt, habe ich wirklich nicht erwartet, aber durch und durch genossen. Toll war auch die Sonderausstellung über grafische Kunst, dafür hat mich die Photographie ein wenig enttäuscht. Wir wären gerne noch mal reingegangen, aber die Zeit hat nicht gereicht. Das Metropolitan Museum of Art hingegen ist eine phantastische Ansammlung von allen Kunst Epochen und Kulturen. Ein Muss für jeden, egal ob er an Kunst interessiert ist oder nicht: Natürlich hat mich Freak die Arms & Armor Abteilung am meisten interessiert. Wunderbare Schwerter waren da zu sehen… 

Ein weiterer Höhepunkt war mit Sicherheit Chicago am Broadway: Corinna hatte mir die Karten zu Weihnachten geschenkt. Es war eine tolle Mischung aus Gesang und Komödie, eine Story zwischen zwei Frauen in den 1920er Jahren. Nach der Show kamen die Darsteller aus einem Hinterausgang raus und zwei Sekunden später hätte man wohl nicht mehr erkannt, dass sie gerade noch auf der Bühne standen. Einen kleinen Traum hab ich mir mit MacBeth erfüllt, weil Patrick Stewart die Hauptrolle gespielt hat. Den kenne ich seit ich klein bin aus Star Trek und er hat wirklich überzeugt in seiner Rolle. Leider waren wir beide saumüde an diesem Tag.

New York mit New Yorkern zu erleben war etwas ganz neues. Corinna hat einige Verwandte in der Stadt und diese haben uns ein wenig unterhalten. Wir hatten ein Jazzkonzert im Time Warner Building am Central Park: Die Jazzmusiker im Vordergrund und der Park mit der Skyline im Hintergrund. Ein Bild welches immer in meinem Kopf bleiben wird. Auch die Hausparty in Brooklyn war lustig: Auch New Yorkern feiern ihre Parties nicht anders als der Rest der Welt :) Überhaupt habe ich die Stadt ganz anders kennen gelernt, als bei meinen ersten Besuchen als Kind: Es ist immer noch eine faszinierende und tolle Stadt, aber nicht mehr diese völlig andere Welt. Sicherlich auch weil ich selber aus einem englischsprachigen Land angereist bin und einfach keinerlei Probleme hatte die Leute zu verstehen und zurecht zu kommen. Man fühlte sich weder unsicher noch fremd. Auch Ground Zero hat mich auf eine komische weise verblüfft. Ich hatte irgendwie ein anderes Gefühl dort erwartet, aber eigentlich ist es nur eine große Baustelle. Trotzdem läuft es dir kalt den Rücken runter.

Es war auf jeden Fall ein phantastischer erster gemeinsamer Urlaub. Das nächste Mal gönnen wir uns vielleicht ein bisschen mehr Ruhe, aber wenn du in so einer Stadt unterwegs bist, willst du einfach alles in dir aufsaugen.

Es blieb wenig Zeit zum erholen und schon gar keine zum lernen, denn meine Mutter und meine Großmutter standen vor der Haustüre: Mit 93 Jahren noch mal so eine Reise zu unternehmen, wenn dir ganz Rödental davon abrät, ist eine tolle Leistung! Und sie hat es kein bisschen bereut. Ich hatte uns für die 3 Tage ein Auto gemietet und war sozusagen als Reiseführer, Chauffeur und Entertainer in einer Person unterwegs. Endlich habe ich mal den Killarney National Park gesehen und auch genossen: Eine tolle Anlage zwischen Seenlandschaft und Bergen im Westen von Cork. Wir haben es natürlich etwas ruhiger angehen lassen, aber trotzdem herrliche Dinge erlebt. Auch einen neuen Aussichtspunkt fürs Meer haben wir entdeckt: In der Bucht von Cobh liegt Crosshaven von wo man eine tolle Sicht auf die Bucht, die Meerenge und das weite Meer hat. Dazu hatten wir, wie das ganze Wochenende, tollsten Sonnenschein. Und ich konnte mir den Magen mit Brot vom Hofpfister voll schlagen. Es war rundum ein tolles Wochenende und eine tolle Erfahrung. Als ich die beiden wieder ins Flugzeug gesetzt habe, gönnte ich mir noch eine Runde auf dem Golfplatz, bevor ich das Auto leider wieder abgeben musste. 

Nachdem ich in Cork ein paar Tage recovern konnte, ging es letztes Wochenende weiter nach London: Ich wollte mich dort mit meinem Vater zu unserer üblichen Vater/Sohn Reise treffen. Mit einem Buch habe ich am Trafalgar Square gesessen und auf ihn gewartet. Doch wer kam: Meine Schwester winkte mir entgegen. Ich war so verblüfft, dass ich es erstmal nicht realisiert habe. Die ganze Familie wusste es, nur ich natürlich nicht. Frechheit!

Auf jeden Fall war es eine tolle Idee und wir haben das Wochenende unglaublich genossen. Eigentlich habe ich London erst richtig kennen gelernt, weil ich als kleiner Junge das letzte mal dort gewesen bin. Neben National Gallery und Tate Modern (bald hab ich alle Weltmuseen durch) haben mich vor allem die Docklands beeindruckt: Ein völlig neues Viertel mit Hochhäusern, Banken und Restaurants. Es wird noch viel gebaut, aber schon jetzt ist es ein neues Highlight der Stadt geworden. Überhaupt gibt es unzählige Hotspots in dieser Stadt, dass man sie vermutlich nie alle kennen kann. Am Samstagabend hatten wir das Glück in einem Private Club zu speisen: Dort zahlt man normalerweise ein paar tausend Pfund im Jahr um im Restaurant essen zu dürfen. Mein Vater hat den Manager solange belabbert bis wir einen Abend dort verbringen durften. Es war ein hervorragendes Mahl in einer tollen Atmosphäre und der Plan jetzt einmal jährlich zusammen in den Urlaub zu fahren, wurde dort geboren. Unser nächstes Ziel wird vermutlich etwas nördlicher liegen. Auf jeden Fall vermisse ich schon jetzt die Teestunden im Four Seasons und schaue mir immer wieder die tollen Bilder von der Schiffsfahrt an. War ein tolles Wochenende.

Und jetzt? Jetzt hat mich die Realität und Cork wieder. Die ersten Prüfungen gehen am 8. Mai los und im Moment verschicke ich noch zahlreiche Bewerbungen für ein Praktikum im Sommer. Drückt mir mal die Daumen, dass ich etwas Gescheites bekomme. Sonst kann ich mir die WG nicht mehr leisten :) Mit lieben Grüßen und neuen Bildern

Domi

 

4 replies


  1. Wie jetzt…hast du nicht gesagt, du bist in der Bib um zu lernen?
    Irgendwie sieht das hier ja anders aus … ;-)


  2. Pssst!


  3. Wer oder was ist denn ein Ki-ne-see, davon habe ich noch nie gehört ;-)

    Das war die “Rache” deines Vaters dafür, dass du ihn letztes Jahr beim Theater überrascht hast oder?

    Dann mal viel Glück mit den Praktika, ich muss mir genauso (noch) einen Job suchen, sonst droht mir das gleich Schicksal.


  4. Geoff, mein Lieber, wie gut, dass ich Unterstützung bekomme. Auch ich kenne keinen/keine/kein Ki-ne-see.
    Ob mein Werter Freund wohl einen Chinesen meinen könnte? Na, Dominik?
    Na, dem auch sei. *kicher*

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