Der Dublin Trip
Letztes Wochenende habe ich meinen ersten Irlandausflug gemacht und bin zusammen mit Bernhard Richtung Dublin aufgebrochen. Unser Ziel: Das Spiel Irland vs. Deutschland im Croke Park. Unsere Lage: Zugticket: Ja, Tickets für Spiel: Nein, Übernachtungsmöglichkeit: Nein. Sah also nicht so rosig aus
Die ganze Nummer hat schon herausragend angefangen: Freitagabend ist unsere allwöchentliche Erasmusparty im Stammclub „Qube“. Man lässt sich zumindest kurz blicken, da jeder Student ein freies Pint Fosters oder Beamish (=Guiness für billiger) bekommt. Außerdem ist die Stimmung meistens klasse und man kennt die Hälfte der Leute inzwischen irgendwoher. Auch diesen Freitag war’s wieder super: Meine Gruppe bestand aus einer Niederlande, Italien, Irland und Deutschland Mischung. Wir waren schwankend zwischen 4 und 10 Leute und hatten wirklich einen schönen Abend. Um 2 Uhr (Club macht zwischen 2 und 2.30zu) sind wir langsam nach Hause getorkelt.
Der Schlaf hat gut getan, nur ein wenig zu gut: Ich hatte meinen Handywecker auf 10Uhr gestellt, aber er hat nicht geklingelt sondern nur vibriert. Somit bin ich erst um 11.15 aufgewacht und der Zug ging um 11:30… Bernhard hatte schon 4x angerufen, also habe ich schnell meine Klamotten angezogen, mein Fußballtrikot und die Waschsachen in den Rucksack gestopft und bin mit meinem Radl losgerast. Die Strecke umfasst immerhin gut 1.5km und zahlreiche rote Ampeln. Long story short: Ich bin rechtzeitig angekommen, hab noch schnell die Tickets ausm Automaten raus gelassen und durch die Wartehalle nach Bernie gebrüllt. Als wir um 11:35 im Zug saßen, hat sich dieser einfach noch 15min Zeit gelassen. Typisch!
Wie die Zugfahrt mit einem Kater ist, kann man sich sicher vorstellen. Fahrt dauerte ca. 2 ½ Stunden und in Dublin(natürlich hatten wir unsere Reiseführer vergessen) sind wir den Anweisung einer Bekannten von mir gefolgt, aber irgendwie völlig falsch mit dem Bus raus gekommen. Also wirklich völlig in der Pampa und ich habe mal wieder gemerkt wie bescheuert es ist ohne Karte in einer fremden Stadt Rumzulaufen. Wir haben uns dann mit einem Taxi zum Croke Park (Nationalstadion mit bis zu 80.000Plätzen, vor allem für Gaelic Games und Fußball)fahren lassen. Dort lungerten schon einige deutsche Fans herum, es war ja auch schon 16 Uhr und das Spiel ging um 19:45 an. Nachdem uns eine Polizistin gesagt hat, dass alles ausverkauft ist, haben wir noch alles auf eine Karte gesetzt: Ein bekannter aus Cork ist schon einen Tag früher nach Dublin gefahren und hat seine Karte an einem „Tolka Park“ bekommen. Wir machen uns also auf die Suche nach diesem Ding, was sich als altes und kleines Stadion in der Nähe herausstellt und tatsächlich: „Ticket sale“ lacht uns ein Schild an der Wand eines Kabuffs an. Unglaublich: Dieser Laden sah aus wie die Verkaufsstelle vom FC Oberwiesenfeld und nicht von der Nationalmannschaft. Auf jeden Fall gab’s noch genug Tickets und haben gerade mal 50€ gekostet. Der DFB hat 58€ verlangt.
Wir konnten unser Glück kaum fassen und sind zur Freude des Tages erstmal auf ein Bier in einem Pub in der Nähe des Stadions gegangen. Von dort aus habe ich dann Laura Dempsey angerufen: Eine Bekannte, welche mit mir auf dem Michaeli-Gymnasium war. Wir hatten eigentlich nie viel miteinander zu tun, aber sie hatte mich letztens auf StudiVZ gefunden. Sie macht ihren Master in Translation in Dublin und ist genauso lange auf der Insel wie ich. Wir hatten also mal hin und her gemailt und wollten uns in Dublin treffen. Sie war zufällig in einem Pub um die Ecke und dort haben wir dann zusammen mit ein paar Iren die Zeit bis zum Spiel rumgebracht.
Der Croke Park selbst war dann wirklich ein Erlebnis: Die Sicht von unseren Plätzen war top und natürlich saßen wir fast genau im irischen Block. Wir dachten eigentlich nie, dass das Stadion voll wird: 20Minuten vor Anpfiff war alles noch halb leer. Punkt 19:45 war das ganze Stadion belegt. Die Stimmung war großartig, unsere Hymne war katastrophal: Wir haben ne gute halbe Minute gebraucht um zu verstehen, dass das unsere Hymne ist. Die Iren haben dann ihre eigene (welche auf Gälisch gesungen wird) mitgegrölt.
Das Spiel selber war bescheiden und ich hab mich am Montag wirklich gewundert, was für Kritiken ich in den Zeitungen gelesen habe: Es war wirklich grottig. Hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan. Ich wusste das im Deutschenblock der Alex Inderst mit ein paar Kumpels war, habe ihn aber leider nicht erreichen können.
Nachdem Spiel sind wir in die Stadt reingeganen und haben mit einem kleinen Plan der Stadt (hatte ich mir davor bei einer Budget Autovermietung besorgt) den Club gesucht, in welchem Laura uns treffen wollte. Der Club hieß Tivoli und es war ein deutscher DJ namens „Hell“ auf der Bühne, welcher für seine Elektromusik bekannt ist. Ist ja nicht wirklich meine Musik, aber für einen Abend hat’s mir gefallen. Wir hatten auch noch einen kleinen Streit mit einem Türsteher, der uns nicht rauslassen bzw. nicht wieder reinlassen wollte. Hat sich allerdings alles schnell erledigt. Genauso die Frage der Übernachtung: Laura hat ihre Couchs im Wohnzimmer ihrer WG zur Verfügung gestellt, auf welchen wir um ca. 4.30 eingeschlafen sind
Achja eigentlich hätte es früher sein sollen, aber ich hatte meinen Rucksack abgegeben und es kam in etwa der Hölle gleich bis ich meine Sachen wieder hatte: 2Mitarbeiter vs. 200Gäste. Horror!
Der Weg zurück war eigentlich noch lustiger: Um 8 Uhr Richtung Bus gelaufen (Laura wohnt ein wenig außerhalb des Zentrums) und mit diesem wollten wir zurück in die Stadt, um dann zum Bahnhof zu laufen. Naja: Das irische Bussystem. Man zahlt direkt beim Fahrer irgendwas zwischen 1,30 und 1,80€, aber eben nur mit Münzgeld. Pustekochen. Wir hatte gerade mal 1,50€ zusammen und es hätte 3,20€ gekostet. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Fahrer („It was 4o’clock!“ „At night?“ „Yeeesss!“ „Okay, put the 1,50 in“) durften wir dann doch mitfahren. Zum Glück. Wir sind dann bis zur O’Connoll str. gefahren und dann den Liffey (Fluss) bis zur Heuston Station gelaufen. Dort gab’s erstmal Katerfrühstück und wie immer in Irland: Eine Schlange. Hier geht gar nichts, wenn man sich nicht in eine Schlage anstellt (Ausnahme war die Garderobe im Tivoli) und so ist es auch am Bahnhof. Der Zug wird aufgerufen und alle reihen sich hinter den Toren zu einer Schlange auf, wobei dann direkt hier die Tickets kontrolliert werden. Schwarzfahren geht also nicht.
Wir wollten von der Schlange ein Bild machen und dabei hat uns Eva entdeckt. Eva ist eine junge Frau aus Tschechien, welche in Cork arbeitet (bei Enterprise Autovermietung) und studiert. Wir hatten sie zufällig in der Tram vom Bahnhof in die Stadt am Tag davor getroffen. Enterprise hatte im Radisson eine Party veranstaltet und wie es der Zufall wollte, war sie wieder im Zug nach Cork zurück.
Wir hatten einen schönen vierer Platz und haben über alles mögliche geredet. Sie kommt aus der Nähe von Brünn und ist schon eine zeitlang in Cork. Den vierten Platz belegte ein zunächst schweigsamer junger Mann mit einem Tshirt in Kyrillischer Schrift. Erst als Eva meinte, dass sie auf große Männer steht und wir ihr dann den schweigsamen angeboten haben, hat er auch den Mund aufgemachtJ Sein Name ist Patrick, er kommt ursprünglich aus Cork, studiert jetzt aber in Dublin Psychologie. Lustiger erster Dialog:
„Do you like it at UCD (University College Dublin)?“
„Yes…well…actually no!“
Er hat erst in Cork Engineering studiert, dann auch gearbeitet aber keinen großen Spaß gehabt. Jetzt arbeitet er mit Autisten. Er ist extra nach Cork gefahren um seinen beiden Brüdern bei einem regionalen Hurling-Finale zuzugucken. Wir haben uns aber zum Jazzfestival verabredet, da er dort spielt.
Auf jeden Fall war es eine tolle Rückfahrt und eine verrückte Reise. Dublin hab ich zwar noch nicht 100% kennen gelernt, aber ich glaube mir ist Cork lieber. Dublin ist eine Großstadt ohne viel Flair und die Menschen sind auch nicht so nett wie hier. Bilder der Reise werde ich jetzt hochladen!
Gruß Domi
Modified

Blitz (blog author) says:
Added on October 18th, 2007 at 20:14Hey , hört sich echt cool an.. ich war aber so frei und hab ein “more” reingehauen – bitte verschiebs wohin du es haben willst
Grüße aus Korea (und man beachte meinen post, der leider eine niedirgere nummer hat ;D
Domi (blog author) says:
Added on October 18th, 2007 at 21:49Genau das wollte ich vorhin bei skype von dir wissen^^
Blitz (blog author) says:
Added on October 19th, 2007 at 03:35ja, und ich hatte es dir erklärt ;D – du hast es glaub ich nur nicht kapiert, das ich kapiert hatte was du wolltest. Der link dazu ist der eins vor der Rechtschreibkorrektur (und neben dem bild)